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© BMUKK/M. Hesz

Bundesministerin Dr. Claudia Schmied im Gespräch

Die Kunstkammer im Kunsthistorischen Museum wurde Anfang März neueröffnet.

Ist damit in Ihrer Amtszeit nach Eröffnung des 21er Haus ein weiterer Meilenstein erreicht?

Ja. Beides ist mir besonders wichtig – zeitgenössische und traditionelle Kunst. Ich bin glücklich, dass wir in den letzten Jahren in beiden Bereichen bedeutende Investitionsprojekte umgesetzt haben. Die Kunstkammer wurde renoviert und die Ausstellung unter der Prämisse qualitätsvoller Vermittlung aufbereitet. Ich freue mich, dass sie nach 10 Jahren wieder für die Öffentlichkeit zugänglich ist, für Kinder und Jugendliche bis 19 Jahre bei freiem Eintritt. Die Kunstkammer hat Weltniveau und wird der Besuchermagnet.

Wie viel wurde investiert?

Für dieses Kulturprojekt wurden öffentliche Mittel in Höhe von 15,1 Mio. EUR aufgewendet, das sind 80 Prozent der Gesamtkosten. Das ist ein klares Bekenntnis der Republik Österreich zur Kunst und Kultur. Die Investition ist langfristig. Die Sammlungen der Bundesmuseen gehören uns allen. Sie sollen von möglichst vielen Menschen gesehen und erfahren werden können. Ich lade alle ein, sich die Kunstkammer anzuschauen. Tauchen Sie ein in die Kunstgeschichte, machen Sie und ihre Kinder Entdeckungen und lassen Sie sich inspirieren. Ich bin sicher, dass diese Erfahrung eine Bereicherung ist.

Worin kann die Bereicherung für die Besucher und Besucherinnen liegen?

Kurz gesagt: Kunst ist eine Schule der Wahrnehmung. Jeder Besuch einer Kunstsammlung ist ein ästhetisches Vergnügen, ein Fest für die Sinne. Das Erzählpotenzial der Sammlungen ist groß. Die Kunstkammer zeigt eine Vielfalt von Objekten aus verschiedenen Jahrhunderten. Sie wurden aus unterschiedlichsten kostbaren Materialien mit höchster Handwerkskunst gefertigt. Es kommt ein innovatives und durch neue Medien unterstütztes Vermittlungskonzept zur Anwendung. Es ist gelungen, Geschichte und historische Artefakte auf diese Weise einem möglichst breiten Publikum zugänglich und verständlich zu machen. Durch die zeitgemäße Präsentation wird ein anziehendes Erleben der Sammlung ermöglicht.

Die Kulturvermittlung ist Ihnen ein besonderes Anliegen?

Ja. Gerade habe ich die Initiative „Kulturvermittlung mit Schulen in Bundesmuseen“ neu gestartet, die gemeinsam mit dem freien Eintritt für Kinder und Jugendliche bis 19 Jahre eines meiner Leitprojekte im Rahmen von „Kunst macht Schule“ ist. Museen sind Orte der Bildung. Dabei sollen die unterschiedlichen Zugangsmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen berücksichtigt und die Zusammenarbeit mit PädagogInnen gefördert werden. Diese erfolgreiche Vermittlungsinitiative wird 2013 weitergeführt und dafür setzen wir 400.000 Euro ein. Und die sind gut investiert! Junge Menschen für Kunst und Kultur zu begeistern ist eine lohnende Investition in die Zukunft.

Sie haben kürzlich neue Regeln für die Österreichische Museumsförderung in Kraft gesetzt. Was bedeuten sie?

In enger Zusammenarbeit mit dem ExpertInnenbeirat und den großen Fachverbänden ICOM-Österreich und Museumsbund Österreichs haben wir zur Förderung unserer regionalen Museen festgelegt, dass eine Voraussetzung für eine erfolgreiche Einreichung die Erfüllung der Kriterien des Österreichischen Museumsgütesiegels ist. So stellen wir sicher, dass die geförderte Institution hohen ethischen Standards für Museen gemäß der internationalen ICOM-Definition entspricht. Kooperationen mit Bildungseinrichtungen, das Eingehen auf benachteiligte Gruppen und Barrierefreiheit sollen ebenso berücksichtigt werden wie fundierte Forschungsarbeit. Auch haben wir die Kriterien verbessert, deren Erfüllung von Museen erwartet wird, die sich um den Österreichischen Museumspreis bewerben. Mit all diesen Maßnahmen ermöglichen wir einen weiteren Qualitätssprung für die hervorragende österreichweite Museumslandschaft.

Sie präsentierten kürzlich das neue Bildungsmedienabkommen zwischen dem Unterrichtsministerium und dem ORF. Worin liegen die Stärken des neuen Abkommens?

Durch das neue Abkommen wird die Onlinenutzung der Bildungsfilme verbessert. Es gibt neue Schwerpunkte und die Form der Ausschreibungen wird erneuert. Letztere werden künftig gezielter und transparenter durchgeführt. Es ist mir wichtig, das Instrument Film für einen lebendigen Unterricht noch sichtbarer und attraktiver zu machen.

Welche neuen Möglichkeiten wird der verbesserte Onlinezugang bieten?

In dem ständig sich wandelnden Bereich der Onlinemedien ist es wichtig, auf der Höhe der Zeit zu sein. Der Onlinezugang zu den Bildungsmedien wurde daher verbessert. Jede Schule verfügt nun über verschiedene Möglichkeiten, die Filme abzuspielen. Ob Stream, Download oder DVD, die Form des Zugriffs auf das Material erfolgt gemäß den jeweiligen Bedürfnissen. Der Individualität der jeweiligen Unterrichtsverhältnisse wird somit Rechnung getragen.

Gibt es neben den technischen Verbesserungen auch bei den Bildungsinhalten Veränderungen?

Inhaltlich setzt das Abkommen neue Schwerpunkte. Bei den Ausschreibungen werden Politische Bildung, Geschichte, Naturwissenschaften, Geisteswissenschaften sowie Kunst und Kultur besonders im Zentrum stehen.

Wie erklären Sie sich das „österreichische Filmwunder“? Wird dieses hohe Leistungsniveau langfristig zu halten sein?

Aufgabe der Politik ist es, der österreichischen Filmwirtschaft gute Rahmenbedingungen zur Verfügung zu stellen – von der Projektentwicklung bis zum Vertrieb. Dieser Herausforderung sind wir in den vergangenen Jahren durch viele Initiativen begegnet; die Anhebung des Budgets des Österreichischen Filminstituts von ursprünglich 9,6 Mio EUR auf nunmehr 20 Mio EUR pro Jahr war dabei ein wesentlicher Schritt. In stetem Austausch mit VertreterInnen der Filmbranche haben wir aber auch neue Wege in der Filmvermittlung beschritten, wie zum Beispiel das Wanderkino, das durch Österreich tourt. Wir konnten damit mehr Menschen für das österreichische Filmschaffen begeistern. Außerdem widmen wir uns dem Filmnachwuchs, haben zahlreiche österreichische Kinos bei der Digitalisierung unterstützt, beschäftigen uns verstärkt mit Film-Festivals als Verwertungsplattformen und haben neue Förderschemata rund um „Neue Filmformate“ entwickelt. Die vielen kreativen Menschen in Österreich nutzen die Filmförderung und die Rahmenbedingungen, und machen Österreich zu einem international beachteten Filmland. Die großartigen Erfolge der vergangenen Jahre begeistern uns.

…und diese haben in den letzten Jahren ja erstaunlich viele Preise erhalten!

Ja. Nehmen wir allein das noch junge Jahr 2013. Dank Michael Haneke können wir uns bereits über einen Oscar und zahlreiche weitere Preise für seinen großartigen Film AMOUR freuen. Zudem wurden bei der DIAGONALE, dem wichtigsten Festival des österreichischen Films, kürzlich mehrere Preise an Filme vergeben, die von der Initiative „INNOVATIVER FILM“ des BMUKK gefördert wurden. Darunter der Preis für den besten österreichischen Film für „Der Glanz des Tages“ von Tizza Covi und Rainer Frimmel, der Preis für Innovatives Kino für Michaela Grill und der Preis für den besten Dokumentarfilm, der an Bernadette Weigel für „Fahrtwind – Aufzeichnungen einer Reisenden“ ergangen ist.

Vor kurzem wurde die Ausschreibung zum neuen Artist-in-Residence-Programm des BMUKK veröffentlicht, das gemeinsam mit KulturKontakt Austria angeboten wird. Was genau ist neu an dieser Ausschreibung?

Das BMUKK bietet schon seit Längerem ein Artist-in-Residence-Programm mit Künstlerwohnungen und Ateliers im Park von Schloss Laudon in Wien an. KulturKontakt Austria ist ein bewährter Kooperationspartner des BMUKK und organisiert seit 1992 ebenfalls ein solches Programm in Wien. Es lag daher nahe, beide Programme zusammenzulegen. Daher können wir für das Jahr 2014 jetzt erstmals 50 Stipendien anbieten, die im Bereich Bildende Kunst, aber auch für die Sparten künstlerische Fotografie, Design, Video- und Medienkunst, Literatur und literarische Übersetzung an KünstlerInnen aus der ganzen Welt vergeben werden. Besonders freut mich, dass die Zusammenarbeit mit dem Tanzquartier Wien weiter bestehen wird und dass wir weiterhin Stipendien für Tanz und Choreographie anbieten können. Auch KomponistInnen werden im Rahmen der Ausschreibung berücksichtigt. Darüber hinaus vergeben wir erstmals Residencies für KulturvermittlerInnen und KuratorInnen, ein Bereich, der in Österreich noch eher eine Seltenheit bei Residency-Programmen darstellt.
Neben der Arbeit an dem eigenen Kunstprojekt ist auch die Vernetzung der Artists-in-Residence mit der österreichischen Kunst- und Kulturszene ein wesentlicher Bestandteil des Aufenthalts. Daher soll dieser künstlerische Austausch im Rahmen unseres Programms in Zukunft noch stärker gefördert werden. Werkspräsentationen der Artists-in-Residence, Gallery Walks, Besuche österreichischer Universitäten, aber auch die Möglichkeit, eigene Lesungen und Workshops an Schulen zu veranstalten, sind nur ein Teil der geplanten Maßnahmen. Ich bin schon sehr gespannt auf die Auswahl an Kunstschaffenden, die die ExpertInnenjurys erstellen werden, und freue mich auf interessante und vielfältige GastkünstlerInnen aus der ganzen Welt.

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